Teilzeit-Hebamme und Vollzeit-Mama

Alles andere lässt sich planen. Aber die Babys, die kommen, wann sie wollen. Geburtstermin? Davon lassen sie sich selten bis nie beeindrucken.

Entsprechend flexibel muss ich meine Planung handhaben. Freischaffende Hebamme ist kein 9-to-5-Job, der uns die Planung der Kinderbetreuung einfach macht.

Im Alltag bedeutet das: Gut organisiert ist die halbe Miete.

Insgesamt sind vier Personen in unsere Kinderbetreuung involviert. Mann, Mutter, Schwiegermutter und ich. In unseren monatlichen (???) Planungssitzungen brüten wir gemeinsam über der Agenda und versuchen, das Unplanbare zu kalkulieren. A und O sind dabei die Flexibiltät aller Beteiligten. Und inzwischen habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich innert weniger Stunden die ganze Kinderbetreuung umdisponieren muss, respektive mein Hüeti-Kader spontan für einen Ganztageseinsatz anfragen muss. Was bin ich froh um die grossartige Flexibiltät unseres Kinderbetreuungssystems.

Mails schreiben, geschäftliche Telefonate, Termine vereinbaren. Alles Administrative erledige ich mit meinen Kindern im Hintergrund. Wie das abläuft, kann man sich ja denken.

Handy klingelt.

«Bitte ruhig sein, Kinder!»

Zwei Minuten später: «Mamiiii!»

Oder das Geschrei im Hintergrund übertönt die Mutter am anderen Ende des Telefons. Der Grössere hat sich gerade etwas gar intensiv um den Kleineren gekümmert.

Ich versuche, alles auszublenden und mich auf die die frischgebackene Mama zu konzentrieren. Sie so gut wie möglich zu beraten.

Kaum habe ich das Gespräch beendet, kommt das Donnerwetter und die Durchsage: «Wenn ich am Telefon bin, seid ihr bitte ruhig!»

Dann das Kind: «Aber Mami, wer braucht Quark?»

Da ist mein Ärger jeweils schnell verflogen. Geduldig beantworte ich die Fragen der Kinder. Wieso hat die Frau Mühe mit Stillen? Warum muss sie ein Kirschsteinkissen erwärmen?

Entsprechend erzählen sie dann allen, die es im Quartier wissen wollen, alles über die Geburt und das Wochenbett. Treffen wir eine Frau mit Baby im Kinderwagen, zeigt der Kleine drauf und fragt laut: «Mami, gehst du bei dieser Frau aufs Wochenbett?»

Obwohl es für die Kinder wie für mich zuweilen stressig ist, meinen Beruf mit meinem Mamasein zu vereinbaren, macht es mir unglaublich viel Freude, ihnen so viel über meinen Beruf mitteilen zu können, mit ihnen teilen zu können. Trotz des manchmal sehr hektischen Alltags, dem grossen Organisationschaos, geniesse ich die Möglichkeit, flexible Mama und freischaffende Hebamme zu sein.

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